Mein Weg. Unser Weg.

Eine der häufigsten Fragen von Menschen, die begonnen haben ihr Hab und Gut auszumisten ist häufig: Wie kann ich meinen Partner/ meine Partnerin dazu bringen mitzumachen? Schließlich bringt es nichts, wenn ich reduziere, aber die halbe Wohnung dennoch ein Chaos bleibt. 

Die Antwort auf diese Frage ist einfach, für viele aber vermutlich frustrierend: Wir können niemanden überreden mit uns ins Boot zu springen. Weder unsere Partner noch unsere Kinder oder Eltern oder Freunde. Denn der Schritt muss ganz von selbst, ganz von innen heraus kommen. So wie bei uns auch.

Was also tun?

Das einzige, was wir tun können, ist selbst zu tun. Misten wir aus. Entrümpeln wir unser eigenes Zeug soweit es geht. Dabei hinterlassen wir Spuren. Aufgeräumte Ecken und Oberflächen. Platz. Übersichtlichkeit. Und am Ende auch die pure Zufriedenheit über leichteres Aufräumen, schnelleres Verräumen von Dingen. Und obendrein mehr innere Zufriedenheit und Ruhe, die wir dann auch nach außen ausstrahlen.

Ich schreibe hier immer von “unserem” We. Doch eigentlich ist es meiner. Ich habe nie zum Liepsten gesagt: “Du komm, werden wir Minimalisten!” Ich habe auch nie gesagt: “Ich werde jetzt Minimalistin.” Ich habe nur irgendwann, eigentlich schon vor sehr langer Zeit ein reges Interesse für diesen Lebensstil gehabt und irgendwann, als es an der Zeit war, begonnen, dem zu folgen, ihn mehr und mehr für mich zu formen.

Nun entrümpele ich schon seit fast einem Jahr was das Zeug hält. Aber ich wage es nicht Dinge anzufassen, die mir nicht gehören. Oben auf dem Regal steht ein holzgeschnitzter Löwe. Ein Souvenir des Liepsten aus Lateinamerika. Aus seinem früheren Leben. Bedeutet mir nichts. Gefällt mir nicht sonderlich. Aber ich habe nicht das Recht diesen einfach zu nehmen und zu entsorgen. Genauso seine Bücher, seine Fotos, seine Kabel und Stecker und Kameras. Seine CDs, seine Kleidung. Nichts rühre ich an. Räume rundherum und kümmere mich um die Bereiche und Flächen, die mich oder uns betreffen. Und was geschieht ist oft folgendes: “Oh, Du hast mal wieder ausgemistet. Wow. Das sieht richtig toll aus so. Stimmt, das war eigentlich ziemlich verräumt / im Weg. Wie ruhig das nun wirkt.”

Solche Sätze und Begeisterung. So hat er irgendwann auch mal von sich aus seine Kleidung aussortiert. Ein Anfang.

Die Kinder sind noch so klein, die wissen ja nicht, was Minimalismus ist. Muss ich ihnen auch nicht erklären. Werden sie ja sehen. Ich habe die Dinge entsorgt, mit denen ich sie nie spielen sehen hab. Sie haben bis heute nichts von dem vermisst, was weg ist. Sie fragen hin und wieder nach Zeug im Keller und wir tauschen aus. Holen etwas und bringen dafür etwas hinunter. Das ist der Deal, mit dem können sie sich arrangieren.

Alles andere ist meine Geschichte. Und da gibt es noch viel zu entrümpeln. Innerlich als auch äußerlich. Was das mit mir macht wirkt sich nach außen aus. Und was das macht, darauf darf ich gespannt sein. Aber Erwartungen gibt es keine. Das würde nur zu Konflikten führen. Zum Überstülpen von Ansichten und Einstellungen.

Und so bleibt das hier mein Weg. Und somit wiederum unser Weg, weil meiner sich auf den der Familie auswirkt. Irgendwie.

Ein Gedanke zu „Mein Weg. Unser Weg.

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