Mit nur 33 Kleidungsstücken in den Frühling – Warum ?

Ich habe ja bereits angemerkt, dass ich von der Webseite von Courtney Carver sehr angetan bin. Noch mehr von ihrem Project333. Dabei geht es darum 3 Monate lang mit nur 33 Kleidungsstücken auszukommen. 3 Monate deshalb, weil sich Kleidung ja saisonal ändert. Am 1.April begann die challenge erneut und ich machte mich an das Zählen meiner Garderobe.

Ich hatte ja im letzten Jahr schon nach der KonMarie Methode meinen Kleiderschrank enorm reduziert. Aber beim Durchzählen stellte ich fest, dass man doch einfach mehr besitzt, als man denkt. Zwischendurch war ich schwanger, konnte vieles nicht tragen und hatte vergessen, dass ich es besaß. Einiges schlummerte dort schon auf “nach der Schwangerschaft” wartend, anderes schlummerte auf “die entsprechende Stimmung wartend”. Und das seit Jahren. Das flog nun sofort hinaus. Die Winterjacken wanderten in den Schrank, ich werde sie noch in eine Kiste packen zusammen mit denen des Liepsten und in den Keller oder unters Bett verstauen. Die braucht man ja nun wirklich noch. Ebenso Winterschuhe. Denn ja, auch die Schuhe zählen zu den 33 Stücken.

Am Ende kam ich auf 30 Teile, die ich in meinem sogenannte Capsule Wardrobe behielt. So nennt Courtney den enorm reduzierten Kleiderschrank. Und ich mochte jedes einzelne Teil darin.

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Am 1.April postete ich dann ein Foto von meinem Kleiderschrank auf instagram. Natürlich war die Neugier groß. Und irgendwann kam die Frage: Aber warum? Warum nur 33 Kleidungsstücke wenn es doch so viel schöne Kleidung auf der Welt gibt? Warum tut man das?

Interessanterweise habe ich mir die Frage nach dem Warum nie gestellt. Mein Ziel war immer die Reduktion aufs Wesentlichste. Daher die KonMarie Methode, nach der ich schon sehr viel glücklicher über meinen Kleiderschrank war. Doch dieses Projekt mit der extremen Reduktion faszinierte mich. Gut, mich faszinieren challenges, bei denen ich mich selbst einfach teilweise extrem herausfordere sehr. Weil sie mir helfen mich selbst besser kennenzulernen, an Dingen an mir zu arbeiten, mit denen ich unzufrieden bin. Und weil ich durch sie immer wieder spannende Erkenntnisse gewinne. Aber nein, dem Warum bin ich nie weiter gefolgt. Und so saß ich neulich da und dachte: “Ja, warum eigentlich?”

Die Antwort bekomme ich jeden Tag, wenn ich mich morgens anziehe für den Tag. Die Auswahl macht es mir so leicht. Meist ist eine Hose in der Wäsche, eine liegt sauber im Schrank. Die ist es also. Die dritte passt postschwangerschaftsbedingt noch nicht. Obendrauf kommt das, was wettermässig passt und ebenfalls nicht gerade in der Waschmaschine rotiert. Fertig. Und ich fühle mich super wohl in dem, was ich dann trage. Weil es alles ausschließlich Teile sind, die ich liebe, in den ich mich wohl fühle, die angenehm zu tragen sind. Alles andere ist entweder entsorgt oder in einer Kiste. Denn nein, Project333 bedeutet nicht alles sofort wegzuwerfen. Aber die Dinge außer Sichtweite bringen. Für 3 Monate. Und was man dann danach mit den Dingen tut, wird man mit der Erfahrung des Lebens mit nur 33 Kleidungsstücken sehen. Ich schätze, dass ich vieles aus der Kiste sowieso entsorgen werde, weil es mir 3 Monate nicht gefehlt hat und ich es also nicht brauche.

Und so finde ich nun endlich meinen Stil. Jahrzehntelang habe ich den gesucht, mich in Kleidung gequetscht, die ich cool fand, die aber so gar nicht ich war. Habe Dinge getragen, die andere an mir gut fanden, ich vielleicht auch, in der ich mich aber nie so recht wohl fühlte – meist Kleider und Röcke. Jetzt musste ich auf das Allerwesentlichste reduzieren und habe da natürlich nur meine liebsten und bequemsten Teile ausgewählt. Und nun fühle ich mich einfach immer nur wohl. Somit is Project333 mehr als nur eine weitere Entrümpelungsmethode. Es ist ein Findungsprozess. Eine Klarsichthülle, die mir mehr Klarsicht auf mich und meinen Stil gibt. Ich bin auch ein Shoppingmuffel. Ich kaufe Hosen, weil die alten zerfallen und nicht, weil ich ziellos durch die Geschäfte streifen mag. Jetzt muss ich nicht mehr suchen, was im Überangebot an Kleidung gefällt, passt und leistbar ist. Ich weiß, was mir gefällt, was passt und das gehe ich kaufen. Seltener als sonst, somit ist auch die Leistbarkeit eine andere geworden. Langweilig? Für mich ist das befreiend denn ich bin komplett überfordert vom Überangebot an Shops und Gewändern im Überfluss.

Es kam auf Instagram auch die Befürchtung auf, dass man doch so viel häufiger waschen müsste, weil man so wenig Zeug hat. Ich kann das derweil nicht bestätigen. Zum einen wasche ich ja durch die Kinder sowieso täglich, zum anderen gibt es heutzutage Kurzwaschprogramme bei nur wenig Grad, die sowieso die Kleidung mehr schonen. Und ich finde – das ist mir nach der KonMarie Entrümpelung schon aufgefallen – dass, wenn man weniger Kleidung besitzt, diese mehr achtet, mehr schont und sie somit sauberer bleibt. Man wischt halt einen Fleck aus der Hose, anstatt sie in die Wäsche zu donnern und die nächste aus dem Schrank zu ziehen. Das ist so ähnlich wie mit dem Geschirrspüler. Da verwende ich am Tag auch viel mehr Tassen und Besteck, weil ich einfach jedes dreckige Ding wegräumen kann und beim nächsten Mal ein sauberes aus der Lade ziehe. Weshalb ich ja nur noch meine eine Tasse verwende.

Project333 mag nicht für jeden sein. Muss es ja auch nicht. Ich bin höchst begeistert. Und werde Euch berichten, wie es mir weiter damit ergeht.

Ein Gedanke zu „Mit nur 33 Kleidungsstücken in den Frühling – Warum ?

  1. Hallo!
    Wie bist Du mit der Kleidung über den Frühling hingekommen? Wirst Du das System beibehalten? Mein Schrank ist viel zu voll, ich kann mich schlecht von Dingen trennen. Aber ich habe begonnen, etwas zu ändern, da mich das Zeug erdrückt. Meinen Kleiderschrank konnte aber bisher noch nicht angehen – es ist wie eine Blockade. Es ist ja für alles Platz, man kann es noch brauchen, …. Es ist nicht leicht. Dein Experiment interessiert mich daher sehr. (Um ehrlich zu sein bin ich in vielen Dingen eher der “alles-oder-nichts” Extrem-Typ. Vielleicht wäre es für mich sogar leichter, meine Kleidung auch sehr wenige Teile zu reduzieren.)
    Liebe Grüße,
    Steffi

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