Ein Haus ohne Bücher…

… ist wie ein Körper ohne Seele. Sagte Cicero. Und es ist was dran. Zumindest ist es oft das erste Ding, das erwähnt wird, wenn es um Minimalismus geht. “Aber ich kann doch nicht meine Bücher entsorgen.” 

Bücher waren auch mir immer wichtig. Ich habe schon immer gern gelesen und so lange ich denken kann war ich immer von Büchern umgeben. Sie waren mit Sicherheit die schwersten und kartonfüllendsten Dinge bei meinen Umzügen. In jeder Wohnung habe ich sie neu sortiert, mal nach Farbe, mal nach Autor oder Sprache. Und nun sitze ich vor einem Regal, das zu 2/3 mit Büchern gefüllt ist. Das ist alles. Bisher. Wie kam ich da hin?

Vor der Übersiedelung von Edinburgh nach Wien begann ich zum ersten Mal ernsthaft mich von Büchern zu trennen. Es war einfach, denn in Schottland gibt es unzählige Charity Shops, in die man sein Zeug tragen kann und die es dankend annehmen. Wir hatten das Ziel mit nur 10 Kisten zu siedeln und so mussten wir reduzieren. Und ich begann mich endlich von Büchern zu trennen, die ich
a) nicht sonderlich mochte und nie wieder lesen würde
b) sowieso nie lesen würde
Heute weiß ich kaum noch, was für Bücher das waren. Es war also richtig so.

Natürlich häuften sich recht bald in Wien wieder viele Bücher an. Bis zum nächsten Umzug. Dieses Mal trug ich so einiges zum Caritas Lager und vieles auch in diverse Bücherschränke der Stadt. So dass wir dann mit einem großen Bücherregal voll hier einzogen. Und als das voll war, wurde gestapelt, gepresst und das nächste Regal befüllt. Bis Konmarie zuschlug. Ich zog wieder einmal einige Bücher aus dem Regal und entsorgte sie – in die Bibliothek hier im Haus, in Büchersackerl vor der nahegelegenen Schule mal wieder im Caritas Lager. Nach Konmarie war auch Platz für Platten im Regal. Es war aufgeräumter und waren keine Bücher mehr quer hineingestopft. Das Regal wirkte ruhiger und stiller und sogar der Liepste erwähnte eines Abends wie sehr ihn der Anblick des Bücherregals beruhigte.

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Nun begann der Hang zum Minimalismus in mir zu wachsen. Und ich wusste da ist noch mehr drin, da geht noch was. Immer wieder stehe ich in letzter Zeit vorm Bücherregal und immer wieder ziehe ich das eine oder andere Buch heraus und nehme es beim nächsten Gang zum Kindergarten mit in das Büchersackerl vor der Schule. Vor kurzem hatte dann auch der Plattenspieler selbst Platz im statt auf dem Regal. Eingezwängt neben Büchern. Und seit heute ist die gesamte Regalebene des Plattenspielers bücherfrei.

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Ich möchte mich nicht komplett von Büchern trennen. Aus verschiedenen Gründen. Zum einen gibt es Bücher, die ich liebe, die mir etwas bedeuten, die ich immer wieder lese oder überhaupt jahrelang lese. Die haben es verdient in Papierform im Regal zu stehen statt elektronisch in einem Ding zu verweilen. Und sie erfreuen mich, wenn sie da stehen, ich erinnere mich dann gern an die Geschichten, die sie erzählen.
Zum anderen möchte ich meinen Kindern einen natürlichen Zugang zu Büchern vorleben. Sie selbst haben auch sehr viele Bücher, sie mögen sie, wir lesen täglich und schauen sie uns viel an. Ich finde es wichtig, dass sie uns lesend sehen und das geht meiner Meinung nach nur mit physischen Büchern, denn ein Kindle ist in ihren Augen ja nur ein technisches Gerät wie ein Handy. Dazu kann ich mir natürlich Bücher ausleihen, aber ich möchte auch dass sie sehen, dass es Bücher gibt, die mir wichtig sind, die ich liebe und zu denen ich gern greife.

Ein Buch, das man liebt, darf man nicht leihen, sondern muss es besitzen. (Friedrich Nietzsche)

Aber braucht es dafür eine ganze Wand voller Bücher?

Ich habe nun wirklich schon viel reduziert. Und dabei einiges erkannt:

  • Ich erinnere mich schon abends kaum noch daran, welche Bücher ich heute wieder entsorgt habe. Wie bedeutend waren sie mir also?
  • Es fällt mir nicht auf, wenn die Regalleichen verschwunden sind. Aber die Bücher, die ich liebe, kommen mehr zur Geltung.
  • Ich brauche keine Bibliothek im Wohnzimmer, damit andere Menschen sehen, dass ich gern lese.
  • Es fühlt sich sehr beglückend an, wenn man ins Bücherregal schaut und dort nur noch Bücher stehen, die mich erfreuen. Die mir etwas bedeuten.

Es heißt beim Minimalismus oft: Umgib Dich nur noch mit Dingen, die Dich glücklich machen. Das können Bücher sein. Aber nicht alle Bücher per se. Sondern die, die Dich beglücken, die Dein Herz erfreuen. Die Dir für Dich bedeutende Geschichten erzählen. Letztendlich ist nicht jedes Buch wertvoll, nur, weil es ein Buch ist.

Ein Gedanke zu „Ein Haus ohne Bücher…

  1. gute anregung. bei mir stehen auch überwiegend bücher, die ich nicht selber lese, sondern die z.b. aus dem grossmutterhaushalt zu mir gefunden haben. ich bring es nicht übers herz, die wegzugeben. noch nicht oder nie, das weiss ich gerade nicht. aber mir hat geholfen, alle bücher umzudrehen, so dass das regal komplett weiss war. dann wurden meine lieblinge wieder zurückgedreht. so kommen sie nun auch zur geltung.
    ps. danke für deinen neuen blog, freu mich von dir darüber zu lesen 🙂

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