Nach dem Ausmisten ist vor dem Ausmisten :: 7 einfache Tips, wie Ihr Euer Maß an Minimalismus erhaltet

Ausmisten ist großartig. Ausmisten befreit. Es macht nicht nur Spaß, sondern auch Platz. Plötzlich sieht man, was man bisher alles besaß und doch nie gebraucht hat. Was man unnötig gehortet hat und aufgehoben für den Fall, dass… Den Fall, der fast nie eintritt. Und in welchem man das meiste auch so beschaffen kann ohne viel investieren zu müssen. Weder Zeit noch Geld.

Und so sitzt man dann da und erfreut sich des neugewonnen Platzes, der wunderbaren Ordnung und Übersicht. Traumhaft. Atmen. Lächeln. Und dann?

 

gewohnheiten

Dann scheitern viele. Denn dann geht es weiter wie bisher. Alltag. Frei gewordene Oberflächen müllen zu, weil wir “nur mal eben” hier und dort etwas ablegen. Bis wir einen fixen Platz dafür haben. Bis wir dazu kommen, es wegzuräumen, weil jetzt gerade… irgendetwas ist. Und dann ist wieder etwas. Und wieder. Und in wenigen Tagen sind wir weit entfernt von dem schönen sauberen aufgeräumten und übersichtlichem Raum, den wir gerade mühsam geschaffen haben.

Egal ob KonMarie oder das Minimalismgame. Egal ob sukzessives Entrümpeln und Loslassen, oder komplette Sofortentrümpelung. Früher oder später holt es uns wieder ein – das vom Überfluss regierte Chaos. Und lacht uns aus. Denn es gibt unzählige verschiedene Ansätze, wie wir uns vom Chaos befreien und radikal reduzieren. Aber niemand sagt uns, wie wir diese Reduktion, das Minimale halten können. Wie wir da bleiben können, wo es uns so gut geht.

Dabei geht es um Gewohnheiten. Nichts anderes. Es ist nicht möglich einen Grad an Sauberkeit, Übersicht und Einfachheit zu halten, wenn wir nicht gewisse Dinge und Tätigkeiten regelmässig erledigen. Es ist utopisch zu glauben, dass es einen Zustand des Minimalismus gäbe, der sich von selbst erhalten würde. Auch wenn KonMarie behauptet, dass mit ihrer Methode keine weitere Entrümpelung mehr nötig und aufräumen abdingbar wäre, so gelingt das ja auch nur, weil man laut ihr die Dinge nach Benutzung sofort an ihren fixen Platz zurück räumt – und auch das ist wieder ein Gewohnheit.

Von diesen Gewohnheiten gibt es viele und wir müssen für uns herausfinden, welche für uns relevant sind, im Alltag machbar und haltbar. Das hängt natürlich auch mit dem Grad des minimalistischen Zustandes zusammen, den wir uns vorstellen und den wir leben wollen.

Ich habe hier heute meine Gewohnheiten, die für mich und meine räumliche Ruhe mittlerweile sehr wichtig geworden sind, für Euch zusammengestellt:

  1. Fixe Plätze schaffen
    Es wird immer wieder gesagt, wie wichtig es ist, dass jedes Ding seinen Platz hat. Es ist nicht immer leicht, den zu finden, denn dafür müssen wir kategorisieren und den Alltag im Hinterkopf behalten. Denn ich kann mir zwar vornehmen vom Schlüssel bis zum Inhalt meiner Handtasche alles immer wegzuräumen, aber für mich persönlich ist das nicht notwendig und nicht machbar so lange meine Handtasche an sich einen fixen Platz hat. Häufig muss so ein Platz für jedes Ding prinzipiell schnell und einfach zu erreichen sein, denn ich weiß, dass ich ansonsten wenig Motivation habe, diesen aufzusuchen und die Dinge landen erst recht wieder irgendwo… Manche Dinge durchlaufen auch einige Plätze, bis ich den wirklich fixen und praktikablen für sie gefunden habe.
  2. Zurückräumen
    Und wenn nun jedes Ding seinen Platz hat, dann leg jedes Ding, das Du in die Hand nimmst, auch dahin zurück. Das ist womöglich eine der Gewohnheiten, der wir am seltensten folgen. Und sie ist auch nur möglich, wenn jedes Ding einen Platz hat. Und wenn dann jedes Ding einen Platz hat, ist es eine der einfachsten Gewohnheiten.
  3. Nach den Mahlzeiten abräumen
    Klingt irgendwie logisch. Und dennoch machen es die Wenigsten. Bevor ich Kinder hatte, war mir das oft zu mühsam. Ich war nach dem Essen eher auf gemütlich aus, wollte meine Ruhe haben. Das Nötigste wanderte in den Kühlschrank, der Rest blieb bis dann mal irgendwo Motivation auftauchte. Häufig kam die erst mit der Unerträglichkeit des entstandenen Chaos. Jetzt mit den Kindern drehte sich nach den Mahlzeiten häufig erst mal alles um sie. Sie an- oder umziehen. Sie in Kindergärten oder abends ins Bett bringen. Und dann die Küche. Dann… Doch dann war meist die Motivation im Keller. Dann verschob sich gern mal auf irgendwann. Deshalb wurde dieses dann zum jetzt sofort. Und das hilft ungemein. Weil ich abends, wenn ich aus dem Kinderschlafzimmer komme und mich auf den Feierabend freue, nicht noch vom Chaos erschlagen werde, sondern Feierabend habe oder eben Zeit für die Dinge, die ich mir vorgenommen habe. Wenn ich morgens von der Kindergartenrunde komme, habe ich fix ein paar To Dos im Kopf. Wenn die Küche sauber und aufgeräumt ist, habe ich viel mehr Motivation mich sofort an die Arbeit zu setzen und prokrastiniere nicht erst mit Küchenaufräumung. Und dieser erste Schwung Arbeitsmotivation fließt somit in die wesentlichen Aufgaben, nicht den Haushalt.
  4. Abendliche Aufräumrunde
    Um morgens innere Ruhe zu haben, muss die Wohnung ein gewisses Maß an Ordnung haben. Ich habe einfach für mich gemerkt, dass mich Chaos am Morgen schon sehr ärgert und zu akuter Genervt- und Gereiztheit beiträgt. Damit also der Morgen und der neue Tag eine gute Chance haben, muss ich abends dafür sorgen, dass meine Ordnung hergestellt ist. Ich drehe also, wenn die Kinder schlafen, noch so meine Runden und räume Dinge weg und auf. Das dauert selten länger als 10-15min und rettet mir damit einen ganzen nächsten Tag.
  5. Aufbewahrungskisten- und Kästen mitentrümpeln
    Aufräumen bedeutet für viele von uns das Verräumen von Dingen in Kisten und Kästen. Und häufig macht das auch Sinn. Aber wenn ich dann Kisten entleere, weil ich deren Inhalt nicht mehr brauche oder in andere Kisten hinzugeben kann, dann ist es sinnvoll leergewordene Kisten und Kästen gleich mitzuentsorgen, anstatt sie “für den Fall dass” aufzuheben. Ich habe früher jeden Karton, jede Schachtel und jede Dose aufgehoben weil “man ja immer Zeug hat, was man da reintun kann.” Und dann hatte ich stapelweise Kisten und Kartons hier und einzelne Dinge auf Schachteln und Dosen verteilt dort. Schuhkartons lasse ich nun direkt im Geschäft. Dosen fliegen in den Metallcontainer und Kartons dürfen die Kinder so bearbeiten, bis sie hinüber sind und entsorgt werden.
    Courtney Carver von bemorewithless sagt: “If you have to buy stuff to store stuff you might have too much stuff.” Und ich finde das eine sehr treffende Aussage.
  6. Tun statt meckern
    Im Haushalt mit anderen, vor allem mit Kindern, ist es natürlich nicht immer leicht alles wieder dorthin zu räumen, wo es her kommt und Ordnung zu halten. Denn die Kinder sind im Ausräumen meist schneller, als wir im Einräumen. Und Aufräumen mögen sie prinzipiell nicht allzu gern. Ich kann mich nun hinstellen und meckern, sie würden nie aufräumen, sie sollten dies und das Wegräumen und überhaupt mag ich nicht ständig hinterher räumen. Das ist allerdings lästig für alle. Ich habe begonnen Dinge, die mir im Weg sind, zu nehmen und wegzuräumen. Natürlich sage ich den Kindern immer wieder, wo was hingehört und bitte sie mir zu helfen etc. Aber bevor ich in einen Aufräum-machtkampf verfalle und diskutiere wer was wo hingelegt und somit für welche Wegräumung zuständig ist, nehme ich die Dinge und trage sie dahin, wo sie hingehören. Das erspart uns allen Nerven. Ich bin damit viel entspannter und Herr Klein sagte unlängst zu mir: Ich hab schon mal hier alles aufgeräumt damit Du das dann nicht tun musst. Ich glaube also fest an die Vorbildwirkung. Sie wirkt nicht immer, aber immer öfter.
  7. Nach dem Ausmisten ist vor dem Ausmisten
    Die wenigsten von uns misten bei der ersten Entrümpelungsrunde so intensiv aus, dass wirklich nur noch das Wesentlichste da ist. Es bleiben Dinge, von denen wir glaube, dass wir sie noch brauchen, von denen wir uns erst nach einiger Zeit auch trennen können. Weil das einfach bewusste Leben, das reduzierte Leben, auch ein Prozess ist und kein Akt, den wir mit einem Mal abhaken. Deshalb müssen wir immer wieder dran bleiben und sukzessive immer wieder weiter ausmisten. Dafür empfehlen sich challenges wie das Minsgame der Minimalists oder auch selbst gestellte Vorgaben wie täglich ein Ding, wöchentlich zehn Ding etc. Was passt und was möglich ist, was Freude macht und was befreit. Das ist ganz individuell. Ich habe das Minimalismusgame nach der ersten großen Entrümpelung als sehr hilfreich empfunden, weil es in die Ecken ging, die vorher übersehen oder bewusst ausgelassen wurden. Das ist jetzt 3 Monate her und ich werde es im Juni erneut starten.

Was sind Eure Tips und Gewohnheiten, wie ihr hergestellte Ordnung erhalten könnt?  Und wer hat Lust mit mir gemeinsam im Juni das #Minsgame zu spielen ?

 

3 Gedanken zu „Nach dem Ausmisten ist vor dem Ausmisten :: 7 einfache Tips, wie Ihr Euer Maß an Minimalismus erhaltet

  1. Ach, es ist wie immer im Leben ein Fluss der niemal endet… Es ist schon viel passiert bei uns, natürlich muss ja jede Familie einen eigenen Weg gehen und finden. Neue Gewohnheiten brauchen ihre Zeit ehe sie alltäglich werden.
    Nach dem essen “müssen” hier alle mithelfen den Tisch abzuräumen. Der kleine fing schon mit zwei Jahren an und mittlerweile wissen es einfach alle. Was natürlich nicht heißt, das nicht mehr diskutiert wird 😉
    Es ist einfach meine persönliche Challenge des Lebens…
    Das Minsgame schaue ich mir auf jeden Fall mal an.
    Gruß Sandra

  2. Das ist genau das, woran ich immer scheiter. Vielen Dank für die tollen Tipps so klar zusammengefasst.
    Ich versuchs grad mit selber machen und nicht meckern 🙂 und räum jetzt immer gleich die Küche auf. Ich hoffe Kind und Mann folgen meinem Beispiel irgendwann…

  3. Sehr hilfreiche Tips, danke! 🙂
    Mir hat die magische Küchenspüle von Marla Cilley sehr geholfen. Es paßte nicht alles für mich, aber Mini-Schritte und kontinuierlich am Ball bleiben…. das hat bei mir sehr, sehr viel gebracht! In den Zeiten,in denen ich danach lebe (wenn keiner krank ist 😉 ) und konsequent immer etwas erledige, sieht es hier schon ganz gut aus. 🙂 Aber ausmisten… das muß ich noch!
    Herzlichen Dank für diese kompakte Tip-Zusammenstellung, einiges kannte ich schon – motiviert hat mich alles. 🙂
    Liebe Grüße,
    Steffi

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